Das soziale Geschlecht wird meistens in männlich und weiblich kategorisiert. Diese Arbeit untersucht, wie soziale Geschlechterrollen durch Kleidung, Styling und Inszenierung entstehen und Identitäten prägen. Ziel der fotografischen Abschlussarbeit ist es, traditionelle Geschlechterzuschreibungen zu hinterfragen und Menschen Gehör zu verschaffen, die diesen nicht unhinterfragt entsprechen möchten. Eine Inspiration ist Platons Kugelmenschen-Theorie aus dem „Symposion“, insbesondere die Vorstellung eines androgynen Wesens als Symbol für Ganzheit und Verbindung. Dafür entsteht eine fotografische Serie, in der Modelle zwei unterschiedliche Formen ihres Stylings darstellen. Diese werden in der Bearbeitung zu einer Darstellung des androgynen Kugelmenschen verschmolzen. Interviews zu persönlichen Entwicklungswegen ergänzen das Bildkonzept und erweitern die Perspektive auf individuelle Erfahrungen mit Geschlecht. Zusätzlich untersucht eine Recherche die Darstellung von Geschlecht in Materialitäten, Mustern und visuellen Codes des Einzelhandels. Die Gestaltung verbindet Fotografie, Art Direction und Styling, um Geschlecht als wandelbare Inszenierung erfahrbar zu machen. Die Arbeit zeigt Androgynität nicht als Auflösung von Identität, sondern als Möglichkeit, starre Kategorien zu erweitern. Sie hinterfragt, für wen bestehende Geschlechternormen Sicherheit bieten und für wen sie Ausschlüsse erzeugen.