menu

Kritik der digitalen Rationalisierung

Digitalisierung macht’s möglich: mittlerweile beziehen sich Designer:innen in ihrer Konzeptentwicklung immer häufiger auf Referenzdesigns. Sie picken sich die Eigenschaften aus ihnen heraus, von denen sie sich die größte Marktfähigkeit versprechen, und basteln sie zu einem neuen Produkt zusammen. Voilà.

Doch wie unkonventionell kann Design noch sein? Wie viel Luft bleibt der Kreativität unter dem immer enger geschnürten Korsett der Marktfähigkeit?

Alexej Kaspor eröffnet die Diskussion mit einem provokanten Projekt, das einen kritischen Blick in die Zukunft des Industriedesigns wirft.

Dazu fasst er gängige Designprogramme in einer Software zusammen und verbindet sie mit einer künstlichen Intelligenz, die die aktuelle Entwicklung digital rationalisieren und auf die Spitze treiben soll.

Diese führt Meta-Analysen über das Nutzungsverhalten durch und prüft damit Frameworks von Referenzdesigns auf ihre Vermarktbarkeit. Aus diesen entwickelt sie dann Gestaltungsvorschläge, ohne beim Seiltanz zwischen Trendhörigkeit und Scheinindividualismus aus dem Gleichgewicht zu kommen. Innerhalb von Sekunden werden den Designer:innen perfekte Vorschläge übers Metaverse simuliert. Auf dem Silbertablett serviert, übersichtlich und gefährlich einfach. Bereit, kombiniert und in Produktion gebracht zu werden.

Auch mit dem Tracking der KI kann niemand mithalten: um immer am Puls der Zeit zu bleiben, benachrichtigt sie die Designer:innen in Echtzeit über die neuesten Innovationen und Trends.

Ressourcenraubendes Herumprobieren in CAD-Programmen gehört also der Vergangenheit an. Das Programm schafft Abhilfe, und verspricht dabei auch noch die höchste Effizienz, konkret: garantiertes Kapital.

Schlagende Argumente, die die Schwächen der Konsumgesellschaft und Kommerzialisierung gezielt ausnutzen. Es entsteht die perfekte Marketingmaßnahme, ein genialer Treiber für den Turbokapitalismus. Kram, den niemand braucht und zynische Statussymbole inklusive.

Der Stolz der geltungsbedürftigen Designer:innen wird dabei selbstverständlich nicht untergraben. Sie sollen mitziehen. Mit zahlreichen Notches wird der Erfolg und die Konkurrenzfähigkeit des Produkts prognostiziert und ihnen Honig ums Maul geschmiert.

Die beklemmende Vorahnung wird sich bestätigen. Schritt für Schritt enteignet die KI den Designer:innen ihre Kreativität, bis sie nicht mehr sind als die Kurator:innen berechenbarer Produktkonzepte. Der Spätkapitalismus hat sie in der Mangel.

Versprochen: diese Arbeit lässt niemanden kalt.

Alexej Kaspor
Bachelor PD · Wintersemester 2021/2022
alexej.kaspor@alumni.fh-aachen.de

betreut von:
Prof. Dr. phil. Sabine Fabo und
Dipl.-Des. André Poulheim

Weitere Abschlussarbeiten

Solivity – Aktivität gemäß der inneren Uhr Entwurf eines multifunktionalen Wearable-Konzepts zur Körperdaten-Aufzeichnung und Generierung von gesundheitsfördernden Verhaltenstipps nach neuesten Erkenntnissen der Chronobiologie
#User Interface Design /SANO Personal Well-Being - Eine mobile Anwendung zur Gesundheitsoptimierung und langfristigem Wohlbefinden
Farfilia Experimenteller Tanzfilm über eine Vater-Tochter-Beziehung
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Entwurf des Erscheinungsbildes für die Naturschutzorganisation
KiWA Die Garderobe für kleine Selbstständige
#Pichler Vom Qalam zum Computer Experimentelle Ansätze im arabischen Typedesign
Modern Gender Die Selbstbestimmung maskuliner Körper
Spielraum Modulares Baukastensystem zur Förderung kindlicher Rollenspiele